Gemeinsam mit Katharina Augendoppler Co Choreografie für das Stück Le Grand Finale im Nest, der neuen Spielstätte der Wiener Staatsoper, April 2025.
Von Abrissparty und schleichendem Schmerz. Am 10. April feierte das NEST die Tanzlabor-Premiere von Le Grand Finale. Choreographin Katharina Augendopler im Interview über die Tanzperformance.
Euer Stück Le Grand Finale befasst sich mit Abschieden – den kleinen und großen, den lauten und leisen. Wie lässt sich eine choreographische Annäherung an ein so facettenreiches Thema vorstellen?
Katharina Augendopler: Wir haben das Thema des Abschieds und des Finales mit einem Community-Ensemble, bestehend aus 24 jungen Tänzer*innen, aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Für uns war es essenziell, Abschied nicht nur als traurigen, sentimentalen Moment zu begreifen, sondern auch die positiven Aspekte zu betrachten – das Potenzial, das sich eröffnet, wenn etwas hinter einem bleibt. In der Stückentwicklung haben wir uns unter anderem folgende Fragen gestellt: Was bedeutet ein Finale für dich? Welche Phasen führen zu einem großen Abschied, und was folgt danach? Wie geht man mit dem Prozess um?
Und bedeutet es nicht auch, loszulassen, wenn sich etwa eine Freundschaft verändert? Abschied und Finale sind oft kein kurzer, klarer Schmerz, sondern ein schleichender Prozess, der sich über längere Zeiträume erstrecken kann. Diese individuellen Erfahrungen flossen in Improvisationen ein, aus denen sich später konkrete Szenen formten. Ein besonders wichtiger Aspekt war die Frage: Wie tanzt man gemeinsam? Wie kann sich eine Beziehung langsam verändern und auseinanderdriften? Ein weiteres zentrales Bild in Le Grand Finale lautet: „Mehr ist mehr“. In diesem Abschnitt wird einfach gefeiert – das Leben, das „Wir“.
Das Stück enthält verschiedene musikalische Elemente. Welche Klänge erwartet das Publikum?
Katharina Augendopler: Das Publikum wird ein Trio aus dem Bühnenorchester erleben – Vibraphon, Cello und Bratsche – ergänzt durch den DJ Oliver Cortez, der mit Live-Electronics arbeitet. Die Musik umfasst eine breite Palette: Zarte, fast fragile Klänge zu Beginn, bei denen das Cello und das Vibraphon mit Bogen gespielt werden. Wenn die Bratsche dazukommt, wird es minimalistisch und intensiv. Der DJ trägt mit atmosphärischen Klangflächen bei, aber auch mit kräftigen Beats. Es gibt sogar eine „Abrissmusik“, eine Club-Nummer, die das große Finale markiert.
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